Es ist ein warmer Samstagabend, die Chips stehen parat, das Bier ist gekühlt und die Trikots sind frisch aufgebügelt. Im Fernsehen läuft gerade die Vorberichtserstattung zum heutigen Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft.

Jogi checkt noch mal kurz die Lage und dann laufen die Jungs mit ihren vier Sternen auf der Brust ins Stadion ein. Die Menge jubelt und feiert ihre Mannschaft. Es wird Aufstellung angenommen, da ertönt auch schon die deutsche Nationalhymne.

Die Kamera geht währenddessen langsam an allen aufgestellten Spielern vorbei. Es gibt keinen Spieler, der dem anderen gleicht. Alter, Größe, Körperbau, Technik, Geschwindigkeit, Führungsverhalten und noch viel mehr. Die unterschiedlichen Eigenschaften eines jeden Spielers würden einzeln gesehen nicht viel bringen. In Summe ergibt sich aber ein stimmiges Gesamtbild und die einzelnen Spieler ergänzen sich gegenseitig. Jogi ist einfach ein Meister der Diversifikation im Fußball. Ebenso gilt es, diese unterschiedlichen Ausprägungen auch in dein Vermögen zu bringen.

Diversifikation – Oldies vs. Youngster

Unter Diversifikation versteht man die Aufteilung von Vermögen auf unterschiedliche Anlageobjekte und -formen. Auf diese Weise lassen sich Schwankungen einzelner Anlageklassen ausgleichen und das Gesamtrisiko deutlich reduzieren.

Hätte Jogi nur junge dynamische Spieler oder alte erfahrene Haudegen auflaufen lassen, wäre unsere Elf sicher nicht der Titelverteidiger bei der nächsten Weltmeisterschaft.

In gleicher Weise verhält es sich mit deinen Geldanlagen. Kaufst du nur eine einzelne Aktie, ist das Risiko hoch, dass das Unternehmen unter die Räder kommt und damit dein gesamtes Vermögen auf einen Schlag weg ist. Verteilst du jedoch dein Geld auf unterschiedliche Werte und Anlagetypen sinkt das Gesamtrisiko deines Portfolios.

Möglichkeiten der Diversifikation

Ein wichtiger Faktor bei der Diversifikation ist, dass die einzelnen Anlageobjekte und -formen möglichst wenig miteinander korrelieren. Nutze die vielfältigen Möglichkeiten und verteile dein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen:

  • Einzelaktien / Investmentfonds
  • Cash / Tagesgeld
  • Anleihen
  • P2P Kredite / Crowdinvesting
  • Immobilien
  • Rohstoffe

Läuft es an der Börse gerade nicht rund, interessiert es deinen Cash-Bestand herzlich wenig. Sinken weltweit die Immobilienpreise, zucken P2P-Kredite nicht einmal mit der Wimper. Wie du siehst, bringt dir Diversifikation mehr Ruhe in dein Portfolio. Geht es auf der einen Seite nach unten, kann die andere Seite das Ganze abfedern. Es gilt aus den verschiedenen Möglichkeiten die für dich passenden Bausteine zu deinem Investment-Türmchen zusammenzubauen.

Schneller Techniker oder guter Allrounder?

Nun kannst du noch einen Schritt weiter gehen und innerhalb der einzelnen Anlageklassen diversifizieren. Dadurch machst du dein Portfolio noch weniger schwankungsanfällig.
Auch Jogi macht es nicht anders: Er holt sich schnelle Stürmer mit guter Technik, kombiniert diese mit Allroundern im Mittelfeld und offensiven Spielern in der Abwehr.

Also nutze die Möglichkeiten und hole dir beispielsweise nicht nur amerikanische Aktien ins Depot, sondern auch europäische Werte und Emerging Markets.

Eine weitere Option ist die Diversifikation nach Anlagezeitraum und Branchen. Dem Automobilsektor geht es gerade nicht so gut? Deine Tech-Werte im Depot juckt das nicht die Bohne. Achte daher auf eine gute Mischung und Ausgeglichenheit in deinem Portfolio.

Hast du einen Almanach?

Erinnerst du dich noch an den zweiten Teil von Zurück in die Zukunft, wo sich Marty einen Almanach kauft, der die Sportergebnisse der Jahre 1950-2000 enthält? Hast du ein solches Büchlein für die künftige Entwicklung aller Wertpapiere? Oder hast du „Wahrsagen für Dummies“ bereits drei Mal gelesen und fühlst dich nun in der Lage, alle künftigen Entwicklungen am Aktienmarkt genau vorherzusagen? Ja? Dann solltest du alles auf eine Karte setzen und genau diese Aktien kaufen. In allen anderen Fällen ist es sinnvoller, dein Vermögen breit gestreut anzulegen.

Für dich als Privatanleger ist Diversifikation eine sehr einfache und vor allem sinnvolle Möglichkeit dein Vermögen vielfältig aufzustellen. Bestimme, wie viel Risiko du aushältst, das heißt mit welchen Anlageformen du gut schlafen kannst und hol dir die passenden Anlageklassen ins Portfolio.

Viel hilft nicht immer viel

Aktive Privatanleger mit mehr als 20 oder 30 Aktien im Depot sind in Deutschland keine Seltenheit. Die Werte sind in diesem Fall auf mehrere Branchen und Länder gestreut. Toll diversifiziert, oder? Wirklich? Glaubst du, als Privatanleger hast du ab 20 Werten aufwärts noch einen Überblick über die Entwicklungen der einzelnen Unternehmen?

Letztens habe ich in einer Facebook-Gruppe einen User gesehen, der stolz seine 25 verschiedenen ETF-Anlagen präsentiert hat. Völlig überzeugt von sich hat er hoffnungsvoll nach Bestätigung für genügend Diversifikation gesucht, die allerdings von keiner Seite zugesprochen wurde. Zu viel des Guten kann es auch hier geben.

Eine Überdiversifikation bringt dir ab einem gewissen Punkt keinerlei Vorteile mehr und kann sogar deine Rendite schmälern. In kleineren ETF-Portfolios genügen oft schon ein bis zwei ETFs um dein Portfolio langfristig und gut diversifiziert aufzustellen.

So viel wie nötig, so wenig wie möglich

Viele Deutsche bewegen sich jedoch auch auf der anderen Seite der Medaille und setzen ihren Fokus zu sehr auf eine einzige Anlageklasse. Der Klassiker ist und bleibt hier das selbstgenutzte Eigenheim. Mit viel Glück kommt noch ein Tagesgeldkonto dazu und das war es dann häufig auch schon.

Ein weiteres deutsches Phänomen ist das Sparbuch. Viele haben einfach ihr Geld dort geparkt und freuen sich über mickrige Zinsen. Ich erinnere mich noch dunkel an den Weltspartag, wo ich mit meiner Spardose die Bank meines Vertrauens aufgesucht habe und mir dann ein kleines Geschenk überreicht wurde gegen Einzahlung meiner Münzen auf das Sparbuch. Ein tolles Gefühl. Es wurden dann auch gleich die 1,12 EUR Zinsen (inkl. Zinseszinsen) nachgetragen. Als Kind war das noch ein Vermögen, heute gibt’s dafür nicht mal mehr ein Bier in der Kneipe um die Ecke.

Bei der Diversifikation gilt folgende Regel: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Fazit

Diversifikation ist für Investoren – ähnlich wie sexuelle Enthaltsamkeit für Teenager – ein Konzept, das einfach zu verstehen, aber schwer zu praktizieren ist – James Gipson, Fondsmanager

Als Privatanleger ist es sicher nicht einfach, bei so vielen Anlageklassen den Überblick zu behalten. Zum Glück ist dies auch gar nicht notwendig. Mach es einfach wie Jogi und hol dir als Fundament einen starken Keeper ins Tor und stärke die Defensive zusätzlich mit einer gut aufgestellten Abwehr, bestehend aus den jungen Wilden sowie erfahrenen Veteranen (Cash und Tagesgeld).

Ergänze das Ganze noch um einen guten Spielführer im Mittelfeld und ein paar offensive und defensive Spieler (breit diversifiziertes ETF-Portfolio aus ein bis drei ETFs). Zu guter Letzt bringst du noch ausgewählte Stürmer für die Spitze, die bei Bedarf zusätzlich Wind in die Segel bringen und die Kisten knipsen (wenn es deine Nerven zulassen ein kleiner Anteil P2P Kredite oder Crowdinvesting).

Wenn selbst ein Narr es kann, kannst du es auch.

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