Stell dir vor, du gehst mit deiner Frau in ein Restaurant. Ihr werdet zunächst vom Kellner zu eurem Tisch geleitet, dann rückst du deiner besseren Hälfte den Stuhl zurecht und setzt dich ihr im Anschluss gegenüber. Der Raum ist erfüllt mit Gerüchen verschiedenster kulinarischer Köstlichkeiten und einem entspannten Abend bei gutem Wein und köstlichem Essen steht nichts mehr im Wege.

Am Nachbartisch entdeckst du ein Pärchen, das sich dem Anschein nach bereits in Aufbruchsstimmung befindet und sich gerade versucht einig zu werden, wer die auf dem Tisch liegende Rechnung übernimmt.

Frau: Zahlst du mit Karte oder hast du genügend Bargeld dabei?
Mann: Ich habe doch letztens erst bezahlt. Heute bist du dran!
Frau: Nein, ich habe den letzten Einkauf übernommen. Deshalb musst du heute zahlen!
Mann: Aber ich habe gestern das Auto vollgetankt. Daher zahle ich doch heute nicht schon wieder.

Kaum ein anderes Thema kann in einer Beziehung für mehr Zündstoff sorgen als Geld. In Finanzblogs ist diese Thematik eher Mangelware und genau aus diesem Grund haben die Damen von Klunkerchen zu einer Blogparade mit dem Titel „Geld und Partnerschaft“ aufgerufen. Gerne komme ich dem Aufruf nach und berichte über meine Erfahrungen im Bereich Geld und Partnerschaft.

Endlich DINKS

Als ich vor vielen Jahren mit meiner jetzigen Frau zusammengezogen bin, ist sie zunächst in meine damalige Wohnung mit eingezogen. Damit war es offiziell: jetzt gehörten auch wir zur Spezies der DINKS (Double Income No Kids). Wir hatten das Glück, beide sehr gut zu verdienen und kamen daher nie in die Situation, jeden Cent drei Mal umdrehen zu müssen. Zu Beginn unserer Beziehung hatten wir ein kurzes Gespräch über die anstehenden Ausgaben und deren Aufteilung. Wir waren uns sehr schnell einig: alles was uns beide betrifft, wird fair geteilt.

Die monatlichen Fixkosten für Miete, Strom, Telefon und Internet haben wir aufsummiert und durch zwei geteilt. Dann hat meine Frau einen Dauerauftrag eingerichtet, mir damit ihren Anteil jeden Monat überwiesen und die Kosten gingen von meinem Konto ab.

Persönliche Kosten, wie beispielsweise Handy, Kleidung oder auch die private Altersvorsorge, zahlte jeder aus eigener Tasche. Hinzu kam damals mein Auto, für das ich sämtliche Kosten übernahm. Letztlich war ich auch Hauptnutzer und bin damit täglich in die Arbeit gefahren. Es gab natürlich auch Fahrten zu Familie, Freunden oder anderen Zielen, zu denen wir gemeinsam gefahren sind. Mir kam jedoch nie in den Sinn, Spritgeld oder Ähnliches von meiner Frau zu verlangen. Bei längeren Fahrten war es für sie allerdings eine Selbstverständlichkeit, sich auch hier entsprechend zu beteiligen.

Es geht auch anders

Anders war es bei einem Bekannten von mir. Dessen damalige Partnerin (heute glücklicherweise nicht mehr) hat von ihm für jede größere Autofahrt, bei der er mitgefahren ist, anteilig Spritgeld und Kosten für die Abnutzung des Autos verlangt.

Ich will gar nicht wissen, wie es da erst bei der Kostenabrechnung von Wasser, Strom & Co. abging. Mein Kopfkino hat mir da Strichlisten und minutengenaue Abrechnungen von Fernsehzeiten etc. beschert. Vielleicht hatte auch jeder seinen eigenen Wasser- und Stromzähler in der Wohnung?

Das Ausgabenprotokoll

Seit ich mit meiner Frau zusammen bin, führen wir eine monatliche Excel-Liste für alle variablen Ausgaben, die uns beide betreffen. Ziel dieser Liste ist es, die Ausgabenseite im Blick zu behalten und die anfallenden Kosten gleichwertig zu verteilen. In unserer Ausgabenliste finden sich neben den klassischen Supermarkt- und Drogerieeinkäufen auch der jährliche Frühjahrseinkauf für die Bepflanzung von Terrasse und Balkon. Wie gesagt, eben alles, was nicht fest planbar ist und uns beide betrifft.

Kleinstausgaben, wie beispielsweise die Semmeln beim Bäcker oder mal schnell ein Snack auf die Hand, werden an der Stelle nicht berücksichtigt. Uns ging es um eine ungefähr gleichmäßige Aufteilung der Kosten und nicht um ein exaktes Tracking jedes einzelnen Cents. So etwas hat in einer Beziehung meiner Meinung nach auch nichts verloren.
Hat einer von uns einen Monat ein paar Dinge mehr bezahlt, wurde dieser Überschuss in dem Folgemonat fortgeschrieben. Derjenige, der im Minus ist, hat dann einfach die nächsten Einkäufe bezahlt und damit war alles wieder ausgeglichen.

Der Pflegeaufwand der Liste beträgt maximal 5 Minuten pro Woche. Alle Einkaufsbelege werden gesammelt und dann ein bis zwei Mal pro Woche in die Liste überführt.

Sollen wir das wirklich kaufen?

Größere Anschaffungen, wie beispielsweise neue Möbel oder auch die nächste Urlaubsreise, werden vorab zusammen besprochen und dann gemeinsam entschieden. Die Aufteilung der Kosten bleibt wie gehabt: 50:50.

Die faire Aufteilung aller gemeinsamen Kosten hat dazu geführt, dass das Thema Geld nie ansatzweise zu einem Streitthema wurde.

Der Übergang zu OIOKS

Vor einigen Monaten haben wir geheiratet und Nachwuchs hat sich bereits für nächsten Monat angekündigt. Somit ist der Weg zu OIOKS (One Income One Kid) nicht mehr weit, da meine Frau mindestens ein Jahr zuhause bleibt und ich dann erst einmal zum Hauptverdiener werde.

Nach der Hochzeit haben wir beschlossen, dass alles, was an Einnahmen zusammenkommt (Gehalt, Kindergeld, Elterngeld, etc.) in einen Topf geworfen und daraus sämtliche Ausgaben bezahlt werden. Hierfür gibt es ein Gemeinschaftskonto, bei dem wir beide als gemeinsame Kontoinhaber eingetragen sind.

Meine Frau hat eigene Verträge für die Altersvorsorge und für den Vermögensaufbau. Beides wird weiterhin aus dem gemeinsamen Topf bezahlt. Damit hat sie ein eigenes Polster, mit dem sie sich wohl fühlt. Gleiches gilt für meine monatlichen Sparpläne.

Fazit

Meine Frau und ich teilen die gleichen Wertvorstellungen, vertrauen einander, sprechen offen über Geld und treffen finanzielle Entscheidungen stets gemeinsam. Hat man sich in einer Beziehung über den Umgang mit Geld und die finanziellen Ziele geeinigt und spricht hier eine gemeinsame Sprache, ist das oft schon die halbe Miete.

Redet mit eurem Partner offen über Geld und Finanzen, einigt euch auf einen gemeinsamen Nenner beim Thema Ausgaben und trefft finanzielle Entscheidungen, die euch beide angehen, immer zusammen.

Wie handhabt ihr es in eurer Beziehung?

Passend zum Thema möchte ich dir das folgende Buch empfehlen:

Schatz, ich habe den Index geschlagen *

Schatz, ich habe den Index geschlagen