Erinnerst du dich noch an Hans und Franz von der Narrenbank? Beide sind verantwortlich für den Bereich Abgeltungssteuer. Von ihrem Vorgesetzten haben sie nun eine weitere Aufgabe übertragen bekommen und müssen sich in das Thema ETF einarbeiten. Ich durfte den beiden exklusiv über die Schulter schauen und sie während ihrer Einarbeitung begleiten.

Franz: Wenn du das Kürzel „ETF“ hörst, woran denkst du dabei?
Hans: Das Eidgenössische Turnfest in der Schweiz?
Franz: Nein
Hans: Der Proteinkomplex Elektronentransferierendes Flavoprotein?
Franz: Nein
Hans: Exchange Traded Funds?
Franz: Ding ding ding… der Kandidat hat 100 Punkte!

ETFs (= Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Fonds, welche die Wertentwicklung eines Index (z.B. DAX oder MSCI World) bestmöglich abbilden und ermöglichen, kostengünstig und breit diversifiziert in einem Aktienmarkt zu investieren.

Eigenschaften von ETFs

Hans: Super Sache so ein ETF. Aber was ist anders, als bei normalen Investmentfonds?
Franz: In ein paar Punkten unterscheiden sie sich deutlich. Lass uns diese Punkte im Einzelnen näher betrachten.

ETFs bilden einen Index ab

Hans: Der Fondsmanager des ETF will doch auch wieder nur den Index schlagen.
Franz: Nein, ganz im Gegenteil. Ein ETF bildet einen Index nach und besitzt somit kein aktives Fondsmanagement.

ETFs bilden in der Regel einen vorab festgelegten Marktindex 1:1 ab, wie beispielsweise den DAX oder den MSCI World. Bei einem normalen Investmentfonds hingegen entscheidet der Fondsmanager über die Zusammensetzung der Fondsinhalte und will den zu Grunde gelegten Benchmark dauerhaft schlagen.

Nicht besser als der Markt, aber auch nicht schlechter.

ETFs verfolgen eine passive Anlagestrategie

Hans: Kein aktiver Fondsmanager?
Franz: Klingt komisch, ist aber so. Ein ETF verfolgt einen passiven Ansatz und bildet stumpf die Performance des Index nach.

Im Vergleich zu einem normalen Investmentfonds, bei dem ein Fondsmanager individuelle Anlageentscheidungen treffen muss, sind bei ETFs weder aktives Fondsmanagement noch aktive Eingriffe notwendig. ETFs verfolgen einen passiven Investmentansatz und bilden den Benchmark bestmöglich ab.

ETFs sind börsentäglich handelbar

Hans: Ok, und bei welcher Fondsgesellschaft kaufe ich die ETFs?
Franz: Bei keiner. ETFs bedeuten übersetzt „börsengehandelte Fonds“ und können somit auch nur an der Börse ge- und verkauft werden.

Bei nicht börsengehandelten Fonds wird der Preis von der jeweiligen Fondsgesellschaft einmal am Tag festgestellt, und die Rückgabe der Anteile kann auch nur einmal täglich erfolgen. ETFs hingegen werden an der Börse gehandelt, und der zugehörige Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage. Der Kauf bzw. Verkauf der ETF-Anteile erfolgt sofort nach Ausführung der Wertpapierorder.

ETFs sind Sondervermögen

Hans: Das Vermögen von ETFs ist etwas Besonderes?
Franz: Hm?
Hans: Hier steht, dass ETFs als Sondervermögen gelten.
Franz: Ach so. Ja, das bedeutet, dass in ETFs investierte Anlegergelder vom restlichen Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt betrachtet werden müssen.

Das Vermögen, welches der Anleger in ETFs investiert, gilt als Sondervermögen und muss getrennt vom restlichen Vermögen der emittierenden Fondsgesellschaft geführt werden. Sollte die Gesellschaft in Konkurs gehen, ist das in ETF investierte Geld der Anleger dennoch geschützt.

Wie bildet ein ETF einen Index ab?

Hans: So, jetzt geht es ans Eingemachte. Wie genau bildet der ETF seinen Index nach?
Franz: Zur Abbildung des zu Grunde gelegten Index gibt es drei unterschiedliche Techniken bei ETFs.

Vollständige physische Replikation

Hans: Hm, die erste Variante klingt schon fast zu einfach.
Franz: Ist sie auch. Es ist das drin, was auch drauf steht. Das verhält sich wie im Supermarkt bei den Inhaltsangaben von Lebensmitteln. Wo der Farbstoff E743 draufsteht, muss auch der Farbstoff E743 enthalten sein.

Bei der vollständigen physischen Replikation werden alle Wertpapiere des Index gekauft und zwar genau in dem Verhältnis, wie diese dort vertreten sind. Diese Methode ist für den Anleger am einfachsten nachzuvollziehen, aber gleichzeitig auch die aufwändigste Art der Nachbildung eines Index. Es ist das drin was draufsteht – ein WYSIWYG-ETF (What You See Is What You Get). Ein Etikettenschwindel ist somit nicht möglich.

Ein ETF auf den DAX mit vollständiger Replikation besitzt auf diese Weise auch alle 30 DAX-Werte, entsprechend der jeweiligen Gewichtung der einzelnen Wertpapiere.

Repräsentative physische Replikation (Sampling Methode)

Hans: Und was ist der Unterschied zwischen Sampling und der ersten Methode?
Franz: Der Unterschied besteht darin, dass die kleinsten Bestandteile des Index meist hinten runterfallen. Außerdem werden nur jene Unternehmen zur Nachbildung herangezogen, die den größten Anteil am Index ausmachen.

Besonders bei sehr großen Indizes, mit teilweise selten gehandelten Einzelwerten, ist die vollständige Replikation häufig nicht möglich. Die sogenannte Sampling Methode schafft hier Abhilfe.

Bei dieser Replikationsmethode wird in der Regel nur eine Teilmenge der im Index enthaltenen Werte gekauft. Hierbei handelt es sich meist um die Einzelwerte mit dem größten Anteil am jeweiligen Index.

Nehmen wir an, ein Index besteht aus 100 Unternehmen und 10 Werte davon machen gerade einmal 0,05% des gesamten Index aus. Nutzt man nun die Sampling Methode, werden diese 10 Einzelwerte außen vorgelassen. Mithilfe der restlichen 90 Werte wird die Indexperformance abgebildet.

Synthetische oder Swap-basierte Replikation

Hans: Jetzt wird’s dubios. Meine Klamotten sind aus Synthetik. Was genau hat das mit ETFs zu tun?
Franz: Überspitzt gesagt, haben solche ETFs erst mal alles, nur nicht oder kaum die Werte des jeweiligen Index. Die Indexperformance wird in diesem Fall mit Swap-Geschäften nachgebildet.

Einen ganz anderen Weg gehen ETFs mit der synthetischen Replikation. Hier enthält der ETF meistens andere Wertpapiere, als die, die sich tatsächlich im jeweiligen Index befinden. Die Indexperformance wird mithilfe von sogenannten Swap-Geschäften abgebildet. Dabei handelt es sich um ein Tauschgeschäft des Fondsemittenten mit einem Swap-Partner, welcher meist die Mutterbank des jeweiligen ETF-Anbieters ist. Der Swap-Kontrahent verpflichtet sich gegenüber dem ETF-Anbieter, die Performance des Index gegen die Performance der im ETF enthaltenen Wertpapiere zu tauschen.

Welche Kosten entstehen bei einem ETF?

Ausgabeaufschlag

Hans: Wie hoch ist der Ausgabeaufschlag bei ETFs?
Franz: Im Vergleich zu normalen Fonds haben ETFs keinen Ausgabeaufschlag.

Was bei normalen Investmentfonds mit bis zu 6% zu Buche schlagen kann, entfällt bei ETFs vollständig. Es gibt schlicht und ergreifend bei ETFs keinen Ausgabeaufschlag.

TER (Total Expense Ratio)

Hans: Wer oder was ist ein TER?
Franz: Darunter versteht man die sogenannte Total Expense Ratio, also die jährliche Gebühr eines ETF.

Die Total Expense Ratio (TER) oder Gesamtkostenquote gibt an, wie hoch die Kosten des ETF in Prozent sind. Darin enthalten sind die Kosten und Gebühren, die innerhalb eines ETF anfallen (z.B. Verwaltungskosten).

Hinweis: Nicht in der TER enthalten sind die Transaktionskosten innerhalb eines ETF!

Hans: Und was ist der Unterschied zu normalen Fonds? Die haben doch auch Gebühren, oder?
Franz: Ja, du hast recht. Bei normalen Fonds liegen die TER häufig zwischen 1 und 3%. Bei ETFs liegen die Kosten gerade mal bei 0,2% bis 0,9%.

Transaktionskosten

Hans: In der „Gesamtkostenquote TER“ müssten dann alle Kosten enthalten sein, oder?
Franz: Nein, das war leider noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Innerhalb eines ETF fallen zusätzliche Kosten an, welche nicht in der TER berück-sichtigt sind. Hierbei handelt es sich unter anderem um Transaktionskosten für den An- und Verkauf von Wertpapieren innerhalb des ETF. Die tatsächlichen Kosten eines ETF liegt immer ein kleines Stück über der irreleitenden „Gesamtkostenquote“.

Zusätzlich ist zu erwähnen, dass auch der Anleger selbst Transaktionskosten beim Kauf oder Verkauf von ETFs zu tragen hat. Erfolgt der Kauf im Rahmen eines ETF-Sparplans, bieten Banken häufig einen Rabatt auf die anfallenden Ordergebühren an.

Spread

Hans: Und was hat es mit dem „Spread“ auf sich?
Franz: Das ist die Spanne, an der die jeweilige Plattform verdient, auf der die ETFs ge- oder verkauft werden.

Der Kauf oder Verkauf eines ETF findet über eine Handelsplattform statt. Diese verdient dabei an dem sogenannten Spread, einer Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Je häufiger ein ETF gehandelt wird, wie beispielsweise einem ETF auf den MSCI World oder den DAX, desto niedriger ist der Spread.

Fazit

Du hast nun erfahren, dass sich im Finanzbereich hinter dem Kürzel „ETF“ ein „börsengehandelter Indexfonds“ verbirgt. Zusätzlich weißt du nun, welche Eigenschaften und Vorteile ETFs gegenüber einem normalen Investmentfonds besitzen und daher in der Regel auch die bessere Wahl beim Vermögensaufbau darstellen.

Wie sieht es bei dir aus? Bevorzugst du Einzelaktien, ETFs oder gar normale Investmentfonds?

Passend zum Thema möchte ich dir folgendes Buch empfehlen: Souverän Investieren mit Indexfonds & ETFs *

Souveraen Investieren mit Indexfonds und ETFs